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Was ist Mobbing?
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Mobbing
im Bildungsbereich wird in der Fachliteratur auch 'Bullying' genannt.
Mobbing
ist im Bereich Bildung weit verbreitet. Betroffen sind
Bildungsangebote, und Lehrgänge, die über einen gewissen Zeitraum
dauern und diese destruktiven gruppendynamischen Prozesse zulassen. Es
lassen sich unterschiedliche Konstellationen von Beteiligten und
Betroffenen beobachten.
Mobbing
kann stattfinden zwischen Lernenden, unter Lehrpersonen, aber auch
zwischen Lehrenden und Lernenden. Immer wieder zeigt sich bei
Selbstmord(-versuchen) von Schülern oder Lehrpersonen, dass
mobbingartige Entwicklungen im Voraus statt gefunden haben.
Spezielle
Situation an Schulen
Auffallend ist heute, dass sich viele Lehrpersonen nicht mehr wirklich
verantwortlich fühlen für die sozialen Verhältnisse und Vorgänge
ausserhalb der eigentlichen Unterrichtszeit. Auch bei klar geäusserten
Mobbing-Klagen wird in der Regel nicht genügend ernsthaft
eingeschritten. Die Verantwortung wird nicht selten an die Klagenden
zurückgegeben. Es entsteht ein Machtvakuum. Und irgendwer nutzt
dieses, um seine eigene Macht auszubauen. Unter diesem Fokus erstaunt
es nicht, dass die Schulrandzeiten (Pausen, Zeiten vor
Unterrichtsbeginn und nach dem läuten der Schulglocke, Schulwege,
Umkleidezeiten beim Sportunterricht etc.) besonders anfällig für
Mobbing-Dynamiken sind. Niemand fühlt sich verantwortlich dafür,
unerwünschte Handlungen zu stoppen, weder die Behörde, noch die
Lehrerschaft, noch die Elternschaft. Kinder und Jugendliche übersetzen
dieses Wegschauen als Freipass, es bleibt die Botschaft 'weiter so'.
Angstfreies
Lernklima
Will man ein angstfreies Lernklima schaffen (und das ist aus
lernpsychologischer Sicht ein Muss, dass Lernen überhaupt statt
finden kann, so muss man das Augenmerk auf alle angstmachenden
Aspekte, auch die gruppendynamischen ausdehnen. Ein gemobbtes Kind
kann sich nicht auf den Lernstoff konzentrieren, wenn es genau weiss,
dass es auf dem Nachhauseweg wieder Gewalt oder andere Aggressionen
erleben muss. Dann ist es nämlich damit beschäftigt, Strategien zu
entwickeln, wie es diesen Übergriffen am ehesten ausweichen könnte.
In
Schulen, an Universitäten und im übrigen Unterricht wird mindestens
jede/r 10. gemobbt.
Viele Lehrpersonen sind verunsichert bezüglich ihrer Zuständigkeit
und Verantwortung, wenn Schüler und Schülerinnen unter sich, in der
Pause, kurz nach oder kurz vor dem Unterricht Konflikte austragen.
Wenn Lehrpersonen sich engagieren, dann kommen Vorwürfe von Eltern
oder Behörden, wenn sie unerwünschtes Verhalten in den Randzeiten
ignorieren, dann bekommen sie wenigstens keine direkten Probleme. Und
damit leisten alle Vorschub den Grenzüberschreitungen unter den
Kindern und Jugendlichen. Der/die Stärkere kann seine Macht ausbauen
und missbrauchen, und er/sie wird nicht gehindert, dies zu tun. Und
niemand fühlt sich verantwortlich. Kinder, die in die Opfer-Rolle
geraten laufen grosse Gefahr einer psychischen Fehlentwicklung, ihre
Eltern fühlen sich unverstanden und alleingelassen und aus Sorge um
die Gesundheit werden immer wieder Kinder umplatziert. Die
Lehrpersonen haben das Gefühl, nicht mehr tun zu können. Die
Mobbenden werden in ihrem Tun bestätigt und lernen zudem, in Zukunft
diese Muster wieder anzuwenden. Das Mobbing bleibt zurück, auch wenn
Gemobbte das System verlassen.
Erscheinungsformen
innerhalb der Klasse unter Auszubildenden
-
Hinter
dem Rücken wird von jemandem schlecht geredet
-
Man
fügt jemandem regelmässig Schaden zu (z. B. Hefter verschwinden
lassen, Velo auseinandernehmen ...)
-
Jemand
wird vor andern lächerlich gemacht, blossgestellt
-
Ausschluss
von sozialen Verbindungen und Anlässen, z. B. jemand wird nie zu
einer Party eingeladen, darf nicht mitspielen, bei einer
Gruppenarbeit nicht mitmachen ...
-
Es
werden falsche Gerüchte über eine Person verbreitet
-
Es
werden Gerüchte über die Eltern, Herkunft u. ä. verbreitet
-
Man
lässt jemanden nicht zu Wort kommen
-
Man
macht sich über etwas Persönliches lustig (Nase, Frisur,
Behinderung, Körperformen, ...)
-
Es
werden Andeutungen gemacht
-
Durch
ständige Kritik wird Druck ausgeübt
-
Mitschüler/innen
werden angepinkelt oder gezwungen, den Urin eines andern zu
trinken
-
Mitschüler
werden gehindert, nach Hause zu gehen.
-
Schuhe
oder Kleidungsstücke von Mitschülern werden versteckt oder zerstört
-
Die
Schulsachen werden beschädigt oder zerstört (z. B. Seiten
zusammenleimen, Seiten herausreissen ...)
-
Die
Schulsachen u. a. werden mit Kacke beschmiert
-
Kinder,
die sich mit dem Mobbing-Opfer solidarisieren werden unter Druck
gesetzt
-
Ein
Kind und sein Anliegen wird nicht ernst genommen
-
Wenn
ein Kind fehlt, zu sagen, dass es schwänze
-
Briefliche
Demütigungen mit Worten und Zeichnungen
-
Sexuelle
Diffamierungen, Verleumdungen, Anspielungen und Provokationen.
Auch sexuelle Übergriffe als Mittel der Demütigung
-
Andere
körperliche Übergriffe wie stossen, schlagen, kneifen, pla-gen,
treten, Bein stellen, streicheln, tätscheln ...
-
Geheimnisse
werden systematisch herumerzählt
-
Andere
Kinder werden zu aggressiven Taten gegen das Mobbing-Opfer
aufgehetzt
-
Schadenfreudiges
Lachen und Auslachen
-
Jemand
wird permanent als dumm hingestellt
-
Jemand
wird beschimpft und beleidigt
-
Pseudowahrheiten
oder Peinlichkeiten verbreiten, in die Klasse tragen
-
Spott
-
Erpressung
(von Geld, Schweigen, andere Leistungen wie Znüni bringen...)
-
Bedrohung,
Gewaltandrohung (mit und ohne Waffen)
-
Verletzungen
-
vorsätzlich
zufügen als Mittel der Demütigung
-
...
Lehrpersonen und Unterrichtende fühlen sich oft überfordert, mit
schwierigen oder schwachen Schüler/innen zurechtzukommen. Die Klassen
sind gross, die Auszubildenden nehmen sich oft Rechte heraus, die
ihnen nicht zustehen. Lehrende erfahren zuwenig Wertschätzung und
Un-terstützung seitens der Behörden und seitens der Eltern. Die
Aufgabe ist anspruchvoll und fordert enorm viel Energie.
Disziplinprobleme anzugehen ist heute z. T. heikel, weil sofort Eltern
intervenieren und sich schützend vor ihr Kind stellen. Trotzdem.
Nichts rechtfertigt eine Grenzüberschreitung, einen Machtmissbrauch
oder Mobbing von Ausbildnern/innen gegenüber Auszubildenden. Es müssen
andere Wege der Konfliktbewältigung gesucht und gefunden werden. Dass
es trotzdem immer wieder vorkommt ist eine traurige Tatsache.
Erscheinungsformen
seitens von Lehrpersonen
-
Vor
Übertritten wird eine folgende Lehrperson negativ beeinflusst
(„vor-informiert“)
-
Die
Lehrperson stellt einen Schüler immer wieder bloss
-
Abschätzige
Gesten, abwertende Blicke
-
Die
Lehrperson witzelt über eine Schülerin
-
Die
Lehrkraft gibt einen Spitznamen
-
Eine
Lehrperson fragt immer dann nach einer Antwort, wenn sie weiss,
dass der Schüler keine Antwort geben kann
-
Die
Schülerin wird regelmässig übergangen, wenn sie sich selber
meldet
-
Es
werden Andeutungen zu den Eltern gemacht
-
Demütigungen
in Worten und bezüglich verlangten Handlungen
-
Privates
wird vor die Klasse gezogen, die Intimsphäre wird verletzt
-
Man
lässt jemanden nicht zu Wort kommen
-
Probleme
werden ignoriert, weggeredet, als inexistent dargestellt
-
Schuldzuweisung
gegenüber dem Mobbing-Opfer
-
Durch
ständige Kritik wird Druck ausgeübt
-
Eine
Person wird nie gelobt
-
Eine
Person kriegt Noten, die nicht der Leistung entsprechen
-
Ein
Schüler wird gezwungen, Arbeiten auszuführen, die sein
Selbstbewusstsein verletzen, oder die ihn vor der Klasse demütigen
-
Übertriebene
Strafen ohne Relation zum sonstigen Strafverhalten der Lehrperson
-
Unangemessenes
Drohen mit Konsequenzen
-
Das
Lob, das das Kind verdienen würde, wird an andere weitergegeben
-
Verbale
Beschimpfungen (z. B. „Du bist eine halbtote Fliege“)
-
Unwahre
oder massiv übertriebene Aussagen werden gegenüber den Eltern über
das Kind gemacht
-
Unzulässige
oder schikanöse Vergleiche anstellen, verbunden mit einer
Vorwurfshaltung
-
Hilfe
verweigern
-
Schülerin
nicht ernst nehmen
-
Spitznamen
geben, auch Spitznamen übernehmen, die die Schüler sich geben
-
Schutz
verweigern
-
Schutzzone
verweigern
-
Körperliche
Übergriffe wie treten, stossen, kneifen, schlagen, berühren,
klopfen
-
...
Die
Dynamik in einer Klasse kann so ausarten, dass sich einzelne Schüler,
eine Gruppe oder die ganze Klasse mit dem Ziel formiert, die
Lehrperson „fertig zu machen“. Oft reagieren Eltern so, dass sich
die Kinder oder Jugendlichen unterstützt fühlen in ihrem Tun.
Manchmal solidarisieren sie sich sogar öffentlich. Das Ganze artet in
eine „Treibjagd“ aus. Die Behörden sind meist hilflos und suchen
oft die Ursache bei der Lehrperson, was die Dynamik für den
Betroffenen verstärkt. Wenn eine echte Unterstützung ausbleibt, dann
kann ein solches Kesseltreiben bis zum Selbstmord des Mobbing-Opfers führen.
Erscheinungformen
seitens der SchülerInnen und Eltern gegenüber der Lehrperson
-
Die
Lehrperson wird systematisch lächerlich gemacht
-
Man
macht sich über die Lehrperson lustig
-
Die
Lehrperson wird angepöbelt oder beschimpft
-
Man
lässt die Lehrperson nicht ausreden
-
Es
werden Gerüchte und unwahre Aussagen über die Lehrperson
verbreitet
-
Der
Lehrperson wird ein regelwidriges Verhalten unterstellt
-
Sexuelle
Provokationen gegenüber der Lehrperson
-
Sexuelle
Belästigung der Lehrperson
-
Der
Lehrperson werden unberechtigterweise sexuelle Übergriffe
unterstellt
-
Das
Alter oder das Geschlecht der Lehrperson wird als Grund angeführt,
dass sie am falschen Ort sei
-
Eltern
solidarisieren sich mit den Schüler/innen und mobben gemeinsam
-
Die
Kompetenz der Lehrperson wird ohne echten Grund in Frage gestellt
-
Die
Lehrperson wird diffamiert
-
Arbeitsmittel
der Lehrperson werden versteckt oder zerstört
-
Die
Schuleinrichtungen werden beschädigt oder zerstört
-
Die
Lehrperson wird am Unterrichten gehindert
-
Das
Fahrzeug der Lehrperson wird beschädigt
-
Die
Lehrperson wird in ihrer Integrität verletzt
-
Über
die Lehrperson werden private Dinge (z. B. Ausrichtung ihrer
Sexualität ...) herumerzählt, mit dem Ziel, die Person in Frage
zu stellen
-
Der
Lehrperson wird unbegründet Unfairness oder Unkorrektheit
unterstellt (Verleumdung)
-
Die
Lehrperson wird beschuldigt, zuviel zu verdienen
-
Die
Lehrperson wird in der Freizeit geplagt, z. B. anonyme Anrufe,
falsche Bestellungen von Ware, u. a. Schikanen
-
Der
Lehrperson werden unüblich viele und harte Streiche gespielt
-
Das
Schulmaterial wird beschädigt oder zerstört
-
Manipuationen
an technischen Geräten mit dem Ziel, den Unterricht zu beeinträchtigen
(z. B. Computer)
-
Private
Effekte der Lehrkraft werden beschädigt, versteckt, zerstört ...
-
Die
Lehrperson wird unter Druck gesetzt und bedroht
-
Das
Privatleben der Lehrperson wird ausspioniert und herumerzählt
-
Die
Lehrperson wird bei der Schulbehörde verleumdet
-
Es
wird eine Schlammschlacht (z. B. Presse) gegen die Lehrperson
inszeniert
-
Die
Eltern organisieren eine Hetzjagd
-
Der
Lehrperson wird das Äusserungsrecht entzogen
-
Die
Lehrperson wird nicht gegrüsst
-
Die
Lehrperson wird offen (Schulraum, Schulareal, irgendwo) verspottet
-
Grimassen
hinter dem Rücken der Lehrperson, Verulkungen
-
Anweisungen
der Lehrperson systematisch werden ignoriert
-
...
Da
und dort gibt es auch Mobbing im Team. Unzufriedene Ausbildner und
Lehrende sind gefährdeter, selbst zu Mobbing-Tätern zu werden. Eine
gute Team- und Kommunikationskultur wirkt präventiv. Leider gibt es
aber immer noch oft das Gegenteil. Der Unterschied zu Mobbing Formen
in einem wirtschaftlich orientierten Betrieb ist, dass oft grössere
Kreise der Auswirkung (übers Team hinweg) provoziert werden. Das
Mobbing kann auf das Mittun von Schülern und Schülerinnen, von Behörden
und Eltern ... ausgedehnt werden.
Mobbing
unter Lehrpersonen
-
Jemand
wird von Informationen ausgeschlossen
-
Jemand
wird an Veranstaltungen systematisch nicht eingeladen
-
Jemand
darf an Aktionen (Projektwochen u. a.) nicht teilnehmen
-
Jemand
wird vor Schülern blossgestellt
-
Über
jemand wird vor Schülern schlecht geredet
-
Es
werden Bedenken über die Schulführung verbreitet
-
Kollegen
beschweren sich ohne wirklichen Grund bei den Behörden über eine
Lehrkraft
-
Kollegen
äussern sich gegenüber Eltern über die betreffende Lehr-kraft
-
Gerüchte
und Lügen machen die Runden
-
Das
Privatleben einer Person wird ausgebreitet
-
Das
Privatleben einer Person wird als Aspekt der Schulführung
beigezogen
-
Persönliche
oder schulische Effekte der Lehrperson werden beschädigt,
verstellt, versteckt, zerstört ...
-
Diese
Person kriegt immer den schlechtesten Stundenplan
-
Diese
Person kriegt immer die schlechtesten Räume zugewiesen
-
Die
Person wird gehänselt, verspottet ...
-
Es
werden dauernd Witze über jemanden erzählt
-
Es
werden Gerüchte über diese Lehrkraft verbreitet
-
Der
Lehrkraft werden unbegründete Übergriffe unterstellt
-
Man
lässt die Person nicht zu Wort kommen oder hört einfach nicht
hin, übergeht ihre Voten
-
Die
Person wird von positiven Zuwendungen (Lob, Znüni u. a.)
ausgeschlossen
-
Schulmaterial
oder Geräte der Lehrkraft werden beschädigt, vernichtet,
manipuliert ...
-
Man
schafft Bedingungen, in denen die Lehrkraft ihre Stärken nicht
zeigen kann
-
Abwertende
Blicke und Gesten
-
Die
Person wird vom Austausch von Unterrichtsmaterialien
ausgeschlossen
-
Niemand
arbeitet mit der Lehrperson zusammen
-
Die
Lehrperson wird isoliert
-
...
Gerade
im Bildungsbereich ist Mobbing-Prävention und Gesundheitsförderung
enorm wichtig. Orientieren Sie sich, welche Weiterbildungsangebote wir
Ihnen unterbreiten. Für gesundheitsfördernde Projekte wenden Sie
sich an die www.gesundheitsfoerderung.ch
Gesundheitsförderung Schweiz und bitten Sie um einen Unterstützungsbeitrag.
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